"Girl gone wide."


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Posts tagged Zeit

Ich bin die Nummer 49 beim Proust-Fragebogen für Blogger auf der ZeitOnline Webseite. Richtig witzig: die Fragen könnten aus dem Jahr 1995 sein, als man noch nicht genau wusste, wie sehr das Internet und die “Bloggerkarriere” eigentlich die Gehirnzellen beschädigen können. Damals, als noch nicht klar war, dass Blogger keine Hexen sondern normale Menschen sind. Ich verdrehte leicht die Augen, beschloss aber dann doch, mitzumachen und endlich über meine tiefsten Wünsche zu schreiben. Falls ihr mich vorher nicht für einen witzlosen Idioten gehalten habt, werdet ihr es mit diesem Interview hoffentlich checken und mich endlich in Ruhe lassen.

Über welches Talent würden Sie gern verfügen? Ich würde echt gerne Krumpen können. Die meisten halten das für einen totenTrend. Ich finde aber, dass Krumpen – eine Mischung aus Bodypaint und Unterleibsschmerzen, die man auch tanzen kann – eine reine Form der emotionalen Alltagsbewältigung sein kann. Leider habe ich weder das Talent zum Malen, noch zu einheitlichen Körperbewegungen, es reicht also nur zum Bloggen.

by yeahs in (Pop)Kultur Crystal Meth State of Mind

Ich trage eigentlich kaum Schmuck. Nicht, weil ich etwas prinzipielles gegen Schmuck habe (Blutdiamanten und die ganze Kontroverse darum mal abgesehen), sondern weil ich alles in meinem Leben in erster Linie verliere oder kaputt mache, insbesondere Dinge, die irgendwie an meinem Körper drapiert wurden und in Vergessenheit geraten. Ohrringe, Ketten, Armbänder und Ringe: ich habe schon unzählige hochwertige Kleinteile geschenkt bekommen, vor allem von meiner Mutter und Rest-Familie, und doch ist nichts übrig geblieben als der Mini-Elefanten Anhänger, den ich zu meiner Geburt geschenkt bekam. Er ist ganz in Gold mit kleinen Diamanten, und ich trage ihn so gut wie nie, weil ich erstens keine Kette habe, die filigran genug wäre, und zweitens viel zu viel Angst habe, ihn zu verlieren.

Kein echtes Gold zu tragen ist auch nichts, was gegen meine Arbeiter-Prinzipien spricht, aber das widerliche Abrosten der Farbe und die schwarzen Finger, wenn man mal einen falschen Ring getragen hat, das ist es mir nicht wert. Irgendwie nervt es auch. Ich kauf mir soetwas nicht, ich wünsche mir soetwas nicht. Ich wünschte mir manchmal, dass ich mehr Gefallen daran finden könnte, es peppt ja auch durchaus mal einen Look auf. Aber darüber mache ich mir zwei Sekunden am Tag Gedanken und geh dann schön weiter nerdig im Internet surfen.

Meine Mutter hingegen, in typischer “edle Dame aus hohem arabischen Haus”-Manier, meine Mutter sammelt Schmuck in jeder Form wie ein Messi Dreck sammelt. Für sie ist es mehr als nur ein Statussymbol, so viel von Wert zu besitzen: für sie ist es zugleich finanzielle Anlage, aber vor allem trägt jedes einzelne Teil in ihrem Besitz einen symbolischen Wert. Eine Erinnerung. Von Tradition heruntergereichte Stücke, Hochzeitsschmuck, der Schmuck, den ihre Mutter ihr vor Kurzem erst geschenkt hat, alles in allem kein billiges Zeug. Sie trägt es mit Stolz, und sie erzählt gerne die Geschichten der kleinen Klunker. Für sie ist das aber auch keine Geldsache. Sie rennt auch heute noch jeden Tag in die kleinen Nippes-Geschäfte und kauft sich bunte Ohrringe und kitschige Anhänger. Sie ist nicht behangen wie ein Weihnachtsbaum, aber sie hat auf jeden Fall eine sehr stark ausgeprägte Leidenschaft, die mich immer an mir selbst zweifeln lässt. Aber es gibt Dinge, die kann ich eben nicht so richtig leiden, und Schmuck gehört dazu. Es sieht gut aus an anderen, aber an mir nervt es.

Es gibt nur ein Teil, dass nicht von meiner Hand kommt: die Uhr. Seit mehreren Jahren trage ich nun eine sehr simple Vintage Casio Uhr, diese Digitale, die eigentlich auch jeder hat. Ich besitze auch wertvollere Uhren, aber die haben alle meinen Style von heute verfehlt und deshalb gebe ich mich zufrieden. Sie funktioniert. Sie zeigt mir die Zeit auf die hässlichste Art und Weise an und wurde von Robotern erschaffen, aber ich ziehe sie maximal zum Schlafen oder zum Duschen aus und vermisse sie, wenn sie nicht wieder schnell an mein Handgelenk zurück kommt. Uhren sind auch die ersten Accessoires, die mir an anderen auffallen. Aus irgendwelchen Gründen – obwohl ich mich nie damit auseinandergesetzt habe, jedenfalls nicht bewusst – kenne ich die Unterschiede zwischen hochwertigen, also teuren Uhren, und den Fakes und Billigteilen, diese typischen Nichts-Uhren, wie sie Esprit macht, um nur jetzt etwas zu nennen was mir auch auffällt. Das regt mich nicht auf, das emotionalisiert mich null – aber irgendwie ist da doch dieser minimale Drang, mir selbst eines Tages eine Uhr anzuschaffen, die schön ist. Und schwer. Und wertvoll.

Es gab dieses Jahr eine Phase, in der ich meine Uhr nicht tragen konnte. Ich konnte mir nicht erklären, warum das etwas mit der Zeit zu tun hatte. Es war mit Sicherheit keine schöne Phase, aber wieso ich die Uhr nicht mehr tragen konnte, verstehe ich trotzdem nicht. Jeder Blick auf das Ziffernblatt bewies vielleicht, dass die Zeit nicht stehen geblieben war. Das konkurrierte mit meinen herzzerreissenden Gefühlen. Es war paradox: in meinem Gehirn war alles auf Stillstand gesetzt, ein Nullwert erschaffen worden. Aber das Leben ging weiter. Im großen und ganzen führte mir die Uhr nur vor, wie falsch meine negative Einstellung war, und wie falsch generell mein Gefühl wohl sein musste. Irgendetwas stimmte nicht, und statt mich damit auseinanderzusetzen, warf ich im verzweifelsten Moment dieser kleinen Reise durch meine Gefühlsunterwelt die Uhr in den Müll. Meine Mutter fischte sie heraus, zwei Monate später freute ich mich wie Bolle darüber, sie wieder zu haben. Ich hätte mir jederzeit eine neue Billig-Uhr für 15 Euro kaufen können, aber ich dachte gar nicht daran. Erst als ich sie auf meinem alten Bett liegen sah, bei einem Spontanbesuch in der Heimat, erst dann wurde mir bewusst: ach so, cool. Meine Uhr. Ja, wird ja auch mal wieder Zeit.

Möglicherweise ist auch genau das, was mich an der Uhr so festhält (nicht an dieser spezifischen, sondern an dem Konzept “Armbanduhr” generell): die Zeit. Natürlich ist ein dickes Teil am Arm das Prollo-Statussymbol schlechthin. Wer Rolex sagt, muss auch “oh Gott du hast einen kleinen Pimmel” sagen. Aber es kommt mir fast schon so vor, als wäre eine teure, schöne Uhr, das einzig wertvolle, was ich niemals verlieren würde. Geht auch gar nicht: ich lege sie ja nicht ab. Und es ist nicht nur sinnloser Schmuck, denn Zeit ist alles, was in diesem von uns konstruierten Leben tatsächlich einen gewissen Wert hat. Die Uhr ist eine Erinnerung daran, dass die Dinge anfangen, laufen und zu Ende gehen.

Aber natürlich ist das Tick-Tock auch negativ belastet. Zeit rinnt. Und es ist eben doch nur ein menschliches System, dass einen auf täglicher Basis die Nerven zerbombt. Wir denken, es läuft alles geradeaus, ein linearer Strang. Zeit, die sich nach vorne bewegt, aber nicht im Kreis und nicht flüssig und nicht flexibel ist. Das ist ein stures Konzept, viel zu steif – eigentlich – aber es ist ein Konzept, in dem man nicht nur aufwächst, sondern das auch noch so logisch wirkt. Genauso logisch wie es ist, seine CDs nach Titel zu ordnen. Es ist Ordnung, ein Gefühl der Sicherheit, so unklug es auch sein mag, sich daran festzuhalten.

Ich blicke auf die schönsten Uhren der Welt und sehne mich nach ihnen. Das mag auch größenteils ein gerechtfertiger Materialismus meinerseits sein, aber wie gesagt, eine Uhr ist auch mehr als nur ein Anhängsel. Sie erfüllt eine Funktion. Vom Handwerk, dass dafür noch notwendig ist, mal ganz abgesehen: das finanzielle Opfer ist also entschuldbar. Und dann ist es auch so wie mit meinem Tattoo am Fuß, auf dem “Bismillah Al Rahman Al Rahim” auf arabisch steht, ein kleines persönliches Paradox: die Religion verbietet es, sich zu tättowieren, und doch widme ich es Gott. So zwiegespalten ist auch meine Beziehung zur Uhr: ich kann mir vielleicht eines Tages eine fünftausend Euro Cartier kaufen. Aber ich kann mir niemals die Zeit kaufen, die sie darzustellen versucht.

by yeahs in Konsumbehindert


Heute vor einem Jahr veröffentlichte ich den ersten Post auf DSG.

– 2009

DragstripGirl hat absolut keine Bedeutung. Auf der Suche nach einem wahllosen Domainnamen bin ich über einen ziemlich eintönigen, aber trotzdem ohrwurmigen Song gestoßen. Dragstrip Girl. Dabei hat dieser Blog gar nichts mit einem Girl zu tun oder mit einem Dragstrip. Vielmehr mit einer gewissen Schnelligkeit und Brisanz an Neuigkeiten und Dingen, die irgendwie, irgendwo, irgendwann passiert sind oder passieren, und nicht zuletzt, noch passieren werden.

Vielleicht passt es also doch. Auf dem Weg dahin werden wir entdecken, was dieses Medium eigentlich darstellen soll. Wer mitmachen möchte, ist dazu eingeladen und aufgefordert. Diese Metadiskussion ist völlig überflüssig, nun, da wir alles wissen. Later skater.

— 2010

Ich wollte mich davon trennen – von Lyrik und von Ambivalenz, von Persönlichkeit und Pseudo-Schreibkraft. Ich ließ mich auf Medien ein, auf Bilder und auf Videos und vor allem auf Musik. Ich lies mich auf ein Projekt ein, auf Kollaboration, ich ließ mich auf neue Eindrücke ein, ich quetschte alle Inhalte meines Kopfes auf ein dreckiges Blatt Papier, und der restliche Input landete auf DragstripGirl.

Aber es wollte so nicht, und die Dinge änderten sich, und mein Leben änderte sich, und jetzt sind wir hier wieder an einem Punkt der Unordnung gefallen. DragstripGirl ist keine Sperrmüllsammelstelle für glitzerndes Nippes aus dem Internet, sondern mein Scrapbook, meine Lieblingsbucht im Ozean der Worte.

Für das nächste Jahr wird DSG wohl die Form eines Travel Diarys annehmen, Bebilderung, Beschilderung, und so weiter. Ich hoffe, ihr seid dann auch wieder am Start. Und mal sehen, wo es uns dann hinführt.

Danke.

by yeahs in Ohne Worte


Dinge, von denen ich glaube, dass ich sie tun würde, wenn ich mehr Zeit hätte:

Mehr Zeitschriften, Romane und verpasste Klassiker lesen, mehr Serien schauen, exotische Filme und beliebtes Kunstkramzeugs nachholen, mehr Ausstellungen besuchen, mich mehr mit Kameras und Fotografie beschäftigen, ein paar Wörter auf Thai lernen, mehr kochen und lernen, wie man einen Kräutergarten züchtet, alte Freunde auf einen Kaffee treffen in einem Stadtteil, den ich nicht kenne, neue Freunde machen, Ideen für bestehende Projekte umsetzen, joggen, mit entfernten Verwandten telefonieren, Bilder bearbeiten, lernen wie man Videos schneidet, lernen wie man Komplimente mit Würde annimmt, mehr mit Politik beschäftigen, mich ehrenamtlich engagieren, Alben, die ich herunterlade, einmal am Stück durchhören, Animal Collective Hype nachvollziehen können, Fixie fahren lernen um auf Menschen jeglichen Geschlechts attraktiv zu wirken, Zähennägel lackieren um auf Menschen jeglichen Geschlechts auch nackt noch attraktiv zu wirken, Sex haben.

Dinge, die ich tatsächlich tun würde, wenn ich mehr Zeit hätte:

Nichts, und schon gar nicht Sex haben.

Eine Sammlung an mehreren Gedankengängen, Impressionen und Fundstücken. Zeit existiert nicht in der schöpferischen Welt- Zeit nimmt sich, was benötigt wird. Und ich? Ich verpasse alles, die Wochen ziehen vorbei, ich muss meine Mutter anrufen, ich gebe mir Facebook-Verbot, iTunes ist unsortiert, es gibt diverse Ramen-Nudeln Rezepte, die einen beim Geld sparen helfen, die Dusche geht nicht, schnell noch auf ‘nen Kräuter, aber es ist auch ganz gut so: bald ist nämlich die Hetzerei vorbei.

Auf der Strecke Reinickendorfer Straße – Stadmitte/Mohrenstraße ist ein McDonalds eröffnet worden (an der Friedrichstraße, inklusive McCafé, nicht immer an allen Aktionen beteiligt, nehmen Gutscheine an). Damit ist das McDonalds Bermuda-Dreieck “Berlin Mitte” gebrochen. Beginn der Fettwampenzucht: jetzt.

Habe fast drei Stunden lang Radio gehört bis ich feststellte, dass ich zu Phil Collins, Nickelback, Creed und Linkin Park wippte. Musste weinen.

The Drunk Guy. Ein fremdes Leben begaffen, in Form von Bildern. Ist es moralisch verwerflich, darüber zu lachen? Wahrscheinlich. Tu ich es trotzdem? Selbstverständlich. Frage mich, ob das noch so lustig wäre, wenn nur Text da stünde. Wahrscheinlich nicht.

Life tips, from the awesome community known as Reddit: Buy quality and buy local. But not so much that you’re tied down by your things. Spend a few years with only what you can pack into a small car and be able to leave at a moment’s notice. Keep a month’s worth of cash handy for when this opportunity comes up.

Aus der Reihe “Sachsen-Anschlag“:

  • Hart (“Du willst ein Liebeslied, du kriegst mein Riesenglied!”)
  • Härter (“Since you put yourself on my dick I put my nuts on ya chin!”)
  • Lebensgefährlich (…)

Ich bin 1,65 m groß, und trotzdem schafft es mein sabbernedes Ich jede Nacht wieder die Decken so auf dem warmzuhaltenden Körper zu platzieren, dass lediglich meine unbedeckten Füße noch irgendwo im Winter meines Altbauzimmers vor sich hin vereisen. Wenn ich mir eine Superkraft wünschen könnte, es wäre “in Socken schlafen können”.

Habe im völlige nüchternen Zustand versehentlich zur Vodka- statt zur Wasserflasche gegriffen. Bin dabei geblieben. Mich gefragt, wieso arme Musikanten in den U-Bahnhöfen Violine spielen können. Frage mich, ob ich ein Stubenhocker bin.

by yeahs in Ohne Worte


In unregelmäßigen Abständen veröffentlichen Protagonisten eines anderen Lebens (anderer Welten, Dimensonen, Zeiten und Gesellschaftsformen) ihre Gedanken, Erlebnisse und Traumata hier. Manche sind Alter Egos ihrer selbst, einige gibt es wirklich, doch die meisten haben nie existiert. In einem Zustand des Nicht-Da-Seins finden sie ihren Frieden darin, in die Außenwelt zu schreien, was sie nicht mehr in sich tragen können. Um ihre Anonymität zu wahren, werden nur ihre Pseudonyme preisgegeben. Willkommen in der Restrealität…

[Photo: Dethjunkie]

Weil mir das Thema momentan sehr am Herzen liegt und ich weiß, dass ich nicht der einzige Mensch bin dem es so geht, möchte ich einen Kommentar von gestern, den Björn verfasst hat noch mal seperat posten. Um darauf hinzuweisen, wie schwer ein Mittelweg ist, welche Schwierigkeiten es in sich birgt nach diesem zu suchen und dass es nicht immer sicher ist, ob es überhaupt möglich sein kann, diesen zu finden. Ich bedanke mich bei Björn für diesen (für mich) wirklich sehr wertvollen Kommentar, ich kann ihn in allen Punkten nachvollziehen und nachempfinden:

“[...] Problematisch an dem Ganzen ist, für mich, dass einen weder das eine noch das andere wirklich erfüllt.

Ich habe auch einen Job der oft lange geht, in letzter Zeit hatte ich unter der Woche kaum Zeit für mich. Allerdings merke ich wie das an mir nagt. In Wochen in denen ich von morgens ab 9 bis abends um 24 Uhr unterwegs bin kommt es mir vor als hätte ich diese Woche gar nicht gelebt, als hätte ich nichts davon mitbekommen. Das liegt daran, wie wohl auch bei dir, dass ich ein Mensch bin der Zeit für sich braucht um bewusst zu leben, um zu sein, zum nachdenken, lesen, Musik hören, whatever. Manche Menschen brauchen das, andere nicht. Gerade im Zusammenspiel mit Verantwortung bei der Arbeit kommt es dazum Konflikt. Verantwortung nimmt man immer auch mit nach Hause. Wäre ich Fabrikarbeiter könnte ich die Abende wohl verbringen ohne an den nächsten Tag zu denken, so aber muss ich mir zwangsweise Gedanken darum machen. Muss immer bereit sein zu reagieren. Bin ich mit Freunden unterwegs und habe Spaß bin ich in einer ganz anderen Rolle, es ist schön, aber dennoch, die Zeit für mich brauche ich um mir meines Lebens bewusst zu werden. Was bleibt also übrig? Nein sagen lernen, ganz klar. Trotzdem, wirklich gut fühlt man sich dabei nicht, egal in welcher Art man jetzt den Kontakt zu bestimmten Menschen reduziert. Irgendwo bleibt immer dieser bittere Beigeschmack, dieses Gefühl man würde etwas falsch machen, wenn man Menschen die man mag, und die einen mögen, einfach nein sagt. Genaugenommen will ich das ja auch gar nicht, denn das ist auch ein Teil von mir, ein Teil den ich nicht missen will. Anfangs habe ich versucht, und versuche es teilweise immernoch, die Zeit auf der Arbeit zu reduzieren und Verantwortung abzugeben. Zur Arbeit nein zu sagen. Dass das dem Wunsch nach einer aufstrebenden Karriere im Weg steht ist aber wieder ein Punkt der einen nicht wirklich damit zufrieden sein lässt. Zu wissen man könnte, hätte man nur mehr Zeit. Innerlich frisst einen das alles auf. Der Weg den ich in diesem Dilemma seit einer Woche eingeschlagen habe ist leider auch keine Lösung. Nein sagen konnte ich noch nie gut, zu nichts, und das wird mir zum Verhängnis. Deswegen bleibe ich lange bei der Arbeit, und lasse mich danach von Freunden noch zum Weggehen überreden. Die Zeit die ich für mich brauche nehme ich mir momentan danach, was bedeutet dass ich seit vier Tagen von morgens bis abends arbeite, von abends bis nachts Kontakte pflege (wie eben per Skype), und von nachts bis morgens die Dinge tue die mich ich sein lassen. Das Ergebnis sind dabei maximal 3 Stunden schlaf pro Nacht, was mich körperlich einfach unglaublich runterzieht (vor allem da ich normalerweise jemand bin der viel Schlaf braucht), und was sicherlich nicht mehr lange gut geht, und was im Endeffekt auch ziemlich negative Auswirkungen auf die Dinge hat die ich dann tue. Das nein sagen, das konnte ich noch nie, es ist ein ständiger Kampf. Vielleicht helfen feste, kürzere und dafür konzentrierte Zeiten. Keine Ahnung. Nicht alles nehmen was man mir geben will, genau das, wäre es nur nicht so verdammt schwer, denn meistens verzichtet man dabei ja auf Dinge die ansich nichts schlechtes sind. Nein sagen zu Gutem, was kann es schwereres geben? Schlimm dabei ist auch, dass ich bei in meiner jetzigen Situation, in der ich versuche mit biegen und brechen alles in die vorhandene Zeit hineinzuquetschen was geht, und in der ich versuche die vorhandene Zeit so weit wie möglich auszudehnen, viele wichtige, aber nicht ganz so freudige Dinge, links liegen lasse. Das fängt mit dem Aufräumen des Zimmers an und endet mit den Bewerbungen die geschrieben werden wollen. Ein einziges großes Dilemma, aus dem man sich langsam herausarbeiten muss. Was ist das sonst für ein Leben, in dem man sich sogar beim Wichsen beeilen muss? Tschah…”

Mann.

by B in Restrealität


Einfach mal Kontrolle über das erringen, gegen das man immer machtlos sein wird: die verfluchte Zeit – die Nemesis der Gegenwart, die ohne Unterlass Rache an dir verübt und auf den Bewertungsskalen deiner Gedanken und deines Handelns (und Nicht-Handels) ihren ganz eigenen emotionalen Abdruck hinterlässt. Mann, sie ist stets bereit zu reagieren um dann doch nur wieder der eigene Film mit Werbepause zu bleiben. Sie ist und bleibt unkontrollierbarer Luxus – eine Erkenntnis, die einen regelmäßig erleuchtet ohne dass man aus ihr schlau wird.

Mann, was gäbe ich darum, diesen verdammten Dolorean vor meiner Tür stehen zu haben.

Fragen, die mich seit Monaten sehr beschäftigen und auch hin und wieder quälen: Wo ist meine Zeit geblieben und wie kann ich sie mir zurückerobern? Wie kann ich Kontrolle über die fehlende Zeit gewinnen, die doch unkontrollierbar bleibt? Wie kann ich verhindern, dass der Mangel an Zeit, das Schwinden der Freizeit mein Leben verändern?

[Grafik: Tebe Interesno]

Ich weiß auf diese Fragen keine Antworten, was wirklich ziemlich erschlagend ist, wenn man seit Monaten daran arbeitet, seine Alltagsmechanismen zu verstehen um dann daraus das beste für sich und sein soziales Umfeld zu machen.

Ich glaube fast, dass dieses Unterfangen unmöglich sein muss. Der perfekte Zeitpunkt um sich damit anzufreunden, dass das Leben wirklich nicht einfach ist.

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by B in Crystal Meth State of Mind