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Lady Gaga meets Nicki Minaj? Der Punkt ist, dass Hip Hop ausgebrochen ist. Das ganze Spektrum der menschlichen Gehirnsoße kann nun im Rahmen von Beats und Raps neue Output-Formen finden. Das ist sowohl beängstigend als auch unglaublich erfrischend. Nicht, dass das nicht vor zehn Jahren möglich gewesen wäre. Vielmehr ist jetzt auch eine entsprechende Resonanz da, die das ganze auf einen Mainstream torpedieren könnte. “Hip Hop ist tot” ist auch nur etwas, was ein elitärer Schwanz von sich geben könnte. Scheiss Hipster.

June 5th, 2012 Posted in Musik | Comments Off

Nitty Scott MC vs. The World

Wir müssen jetzt das als Wahrheit annehmen, was wir bislang nur vermutet haben (und mit “wir” meine ich hauptsächlich mich und meine Filzläuse): wir werden medial gespalten. Die Welt besteht nun aus zwei Lagern, denjenigen, die sich noch von Fernsehen und Radio und damit der kulturellen Geschmacklosigkeit zuballern lassen, und denjenigen, die im Internet ihre Heimat gefunden haben. Sie beißen sich im Archiv aller Möglichkeiten fest, um altes zu neuem zu machen und im Zuge dessen auch zu revolutionieren. Auf internationaler Ebene, eben im Internet.

Interessanterweise hängen beide Stränge aber untrennbar miteinander zusammen, denn die “Trends” kommen eben aus dem Internet (s. Lovestep Nation, oder: wie Dubstep sich in zwei Richtungen entwickelt, einmal nämlich in Richtung melodischer R&B und IDM, und ein einmal in “How Much Is The Fish” Verstümmlung), werden später aber potenziell genutzt, um ein Genre oder eine Bewegung kommerziell groß aufzublasen (und wieder so glatt zu produzieren, dass all das, was mal individuell und interessant daran war, kaputt gestampft wird).

Aber das sind nur einige Gedanken, die mich zum 90s Hip Hop Spirit bringen sollten, es leider aber doch nicht tun. Mein Punkt war eigentlich: auch Hip Hop entwickelt sich gerade in tausend plus fünf explodierende Richtungen. Man, wie wir alle dachten, dass der Old School tot ist und es nur noch um Titten und Fuffis um Club geht. Und ey, das gibt’s ja auch noch, und das wird auch immer größer (meistens in Kombination mit ekligem Rave-Shit), aber die Alternative dazu war bisher nur ganz langsamer, monotoner und irgendwie gleichbleibender Conscious Rap. Es zählte bislang nicht mehr, wer am geilsten rappen und schreiben konnte und einen krassen Flow draufhatte, sondern wer am besten aussah, das optimale Zeitgeist-Image vertreten konnte und die besseren Producer hatte. Das alles nehme ich niemandem übel, aber es ist durchaus Zeit für eine weitere Kategorie an Talenten, die all das kombinieren können.

Enter Nitty Scott MC (ICH MEINE SIE HAT DA EIN “MC” STEHEN, DAS IST WIE SICH SELBST EINEN DOKTORTITEL GEBEN, NICHT MAL DAS MACHEN DIE RAPPER VON HEUTE NOCH!), die ich ohne Probleme neben solche Vorzeigekandidaten wie Kendrick Lamar und Earl Sweatshirt stellen kann. Denn es geht eben nicht nur um die fettesten Beats und die krasseste Show, es geht auch um ein Gefühl für den Sprachgesang, um eine gewissenhafte Auseinandersetzung mit Themen, um einen schlagfertigen Charakter in der Stimme, irgendetwas, was sie von der trüben Masse der Spaßrapper hervorhebt. Und ich meine jetzt gar nicht: lasst uns alle wieder Dead Prez sein und nur noch von Politik und gesellschaftlichen Zuständen singen, denn auch das ist eine ignorante Schiene, die ich langweilig finde. Im Gegenteil: ich will alles. Das ganze Paket. Ich will Feuer, ich will Potenzial, ich will krasse Töne und krassen Flow. Natürlich gehört auch ein Vorreiter wie Lupe Fiasco in diese Liste, aber ey, logo, das ist genau das was ich meine: er hat es mal so weit gebracht, jedem die Stimme zu verschlagen, dann wurde er in die Mangel aller wichtigen Geldmacher dieser Welt genommen und zack, das letzte Album war ein Flop, weil es sehr, sehr weit weg von dem war, was er einst konnte. Ich nehme ihm das nicht übel- das ist der Verlauf der Dinge.

BB: I ask this questions seriously because you brought up a good point when you described that people suggest collaborations. Do you feel the industry yet?

NS: Oh, yeah, definitely. I get hit with it all the time. I get a lot of feedback that’s like, “Yo, you’re dope. I love your sound. I love what you’re doing. But if you ever want to become a household name, if you ever want to become a megastar you’re going to have to do this.”

BB: Where’s that coming from? From your fans? From people in general? From Industry people?

NS: Not fans. I think it’s the industry approach to the situation because my fans specifically, I think they just love what I do. I don’t think they love me because they want me to get to “the next level.” I think they just appreciate it for what it is because my definition for success is not that. I’m here for longevity. I’m here to have a career. I’m not here for my 15 minutes. I’m humble about it and I get a lot of people that hit me with the industry [perspective], wanting me to switch up my whole style to be more mainstream and more commercial. That’s not my thing. I think an Emcee like myself, I think I can bridge gaps in a way that I can f*ck with the Underground and the Mainstream. I think the issue with an Underground artist getting to a certain height is that their sound and their message is going to be sacrificed. It’s not that we’re mad that you’re where you are. It’s more that when you get there, everything you sold us up until now gets thrown out the window. So, I feel like if you sort of make that promise to your fans like, “Yo, I’m going to be me. I’m going to stay true to what made you gravitate to me in the first place no matter where my career takes me. If you give them that security, you can go to the next level with your shit and not have to sacrifice anything because you’re fan base was built from the ground up. It wasn’t bought or sold or shoved down anyone’s throat. It was very grassroots from the bottom. They liked what I was doing. So the bigger it gets, it’s just getting bigger. It’s just being seen on a larger platform. It doesn’t mean that I’m switching everything up. There are ways to do that. Not every artist can break that mold without losing the respect of the Underground, but I think that I can do that. – (via)

Aber: ich fände es sehr, sehr schön, wenn sich dieser Trend, zurück zum Rap zu gehen, auch medial konstituiert und man zukünftig wieder damit Kohle scheffeln kann, ein einzigartiges Talent zu sein.

Nitty Scotty MC verkörpert da ja vor allem nicht nur genau meine persönliche Forderung (Authentizität, Talent, Durchschlagkraft und das Potenzial, kommerziellen Erfolg zu haben ohne gleich in den Pop-Wolf zu kommen), nein, sie ist erst verdammte 20 Jahre alt und dazu noch eine coole Frau. Sie wirkt tough und so, als wüsste sie genau was sie wollte. Das ist ‘ne Backmischung für den perfekten Kuchen. Jetzt fehlt nur noch die Aufmerksamkeit, aber an der zweifle ich keine Sekunde. Aber das eigentlich ein Kind die Wurzeln des Hip Hops aufspüren kann (im Internet), sich daran festbeisst und sie wieder hochbringt, das ist etwas ganz großes. Die Zukunft von (qualitativ hochwertigem) Rap & Hip Hop könnte gerettet sein, zumindest für mich.

(Übrigens gehe ich bei allen Beobachtungen nur von mir aus. Sicherlich gab es auch zwischenzeitlich herausragende Talente und es gibt sie bestimmt auch unter den besserverdienenden. Allerdings bemerke ich immer mehr, wie eben auch Freiräume für solche jungen Künstler geschaffen werden, die ihnen dienlich sind. Das finde ich gut.)

Vielen Dank an EeazyP für die Entdeckung.

September 26th, 2011 Posted in Musik | Comments Off

Total Recall: Retromania der Musik

Im Guardian (Herz, Seele und Mumu meines Informationsbeschaffungskörpers) ist ein Artikel erschienen, der dieses fanatische “Zurückdenken” und den Retromove in der Musikszene (und begleitetend in Fashion und Kultur als Gesamtbild) beschreibt und wie sich gerade in diesem Bereich zwei Welten gegenüber stehen; einmal die Ibiza-House Maloche, die von David Guetta, dieser Hure, angeführt wurde und bei den Rednecks in den USA gerade einschlägt wie eine Bombe (als ob wir noch mehr Eurotrash Musik gebraucht haben); aber andererseits auch die Indie-Schiene, die sich an 60er Jahre Hippie und Blues und anderem Kram anlehnt.

Retro is not a completely new phenomenon, of course: pop has an extensive history of revivals and creative distortions of the musical past. What is different about the contemporary retromania is the aspect of total recall, instant recall, and exact recall that the internet makes possible. Fans can drown themselves in the entire history of music at no cost, because it is literally all up there for the taking. From YouTube’s archive of TV and concert performances to countless music, fashion, photography and design blogs, the internet is a gigantic image bank that encourages and enables the precision replication of period styles, whether it’s a music genre, graphics or fashion. As a result, the scope for imaginative reworking of the past – the misrecognitions and mutations that characterised earlier cults of antiquity like the 19th-century gothic revival – is reduced. In music especially, the combination of cheap digital technology and the vast accumulation of knowledge about how specific recordings were made, means that bands today can get exactly the period sound they are looking for, whether it’s a certain drum sound achieved by Ringo Starr with help from the Abbey Road technicians or a particular synth tone used by Kraftwerk.

Ein besonders anregender Punkt im Text ist die Frage, an was wir uns eigentlich zurück erinnern, wenn wir in einigen Jahren das Retrospiel auf das 21. Jahrhundert projezieren? Wir werden Bilder haben, die so aussehen, als wären sie vor 20 Jahren geschossen worden, und Musik, die sich so anhört, als wäre sie mindestens 40 Jahre älter als sie ist. Es ist eine Verzerrung der Zeit.

What seems to have happened is that the place that The Future once occupied in the imagination of young music-makers has been displaced by The Past: that’s where the romance now lies, with the idea of things that have been lost. The accent, today, is not on discovery but on recovery. All through the noughties, the game of hip involved competing to find fresher things to remake: it was about being differently derivative, original in your unoriginality.

Und das ist mit Sicherheit jedem schon mal aufgefallen, dieses Gefühl, einen guten (!) Song schon mal gehört zu haben und sich darüber sogar zu freuen. An manchen Tagen jedoch ist man lediglich übersättigt und fragt sich, ob es jemals wieder etwas “neues” geben wird (James Blake und Weeknd waren für mich die einzigen Künstler der letzten Zeit, die im Mainstream/Pop Business zumindest “fresh” gewirkt haben – aber auch das ist alles nicht experimentell, sondern nur ein Zusammenwurf bereits bestehender, neuer und alter Elemente ihrer jeweiligen Genres).

June 24th, 2011 Posted in (Pop)Kultur, Musik | 6 Comments »