Den Momenten hinterherjagen. Als ob jeder Moment von Extravaganz gefüllt sein müsste. Als wäre jedes bisschen Zeit, das wir haben, so schade zu verlieren… dabei wissen wir doch meistens nicht mal, wohin es geht und wozu. Auf unseren Grabsteinen wird stehen “sie haben ein aufregendes Leben geführt, jede Sekunde war eine kleine Explosion der Erwartungen, gestorben sind sie an glanzvollen, wunderbaren Aktivitäten, regelrecht stranguliert haben sie sich in Konfettimomenten und Abenteuern.” Wie war das? Ach ja, Harder Better Faster Stronger. Wenn man nicht mehr weiß, was ein normales Leben ist – hauptsächlich entschleunigt, wa – sondern nur noch im Action-Marathon dem Genuß hingegeben ist. Das Ziel des Lebens, das ultimative Glück, das Absolute, die Absolution. Braucht man dafür nicht einen Gedanken, einen Augenblick der Ruhe, um das auch mal zu verstehen, dass ab und zu auch… ja, auch mal NICHTS passiert, NICHTS passieren muss?

Was ist ein Erdbeben der höchsten Stufe der brutalsten Skala, wenn jeden Tag so ein Erdbeben geschieht? Und doch frage ich mich: haben sie uns das nicht auch so beigebracht, dass wir nach mehr und weiter und vor allem: besser streben sollen? Nicht zufrieden geben, nicht genügsam sein. Mein Herz und meine Seele sind gefangen in diesen Konflikten von sein und sollen. Was ist schon richtig, wenn sowieso alles falsch ist?

Die Welt liegt mir zu Füßen, so denke ich doch, es muss etwas geben, was ich noch nicht kenne, nicht weiß. Etwas, was mich von hier zum nächsten Ort der Sicherheit bringt. Spaß und Ungeregeltheit sind die Norm geworden. Seht ihr, wie paradox das ist, wie fertig es einen macht? Wenn man sich ständig fragt: bin ich erwachsen, weil ich heute alleine war, nichts gemacht habe außer Blumen zu gießen und die Decke angestarrt und mal einen kurzen Moment alles um mich herum verpasst habe, weil das Verpassen auch ein Teil davon ist? Bin ich erwachsen, weil ich schon lange aufgehört habe, mir diese Frage zu stellen? Und was ist schon erwachsen sein, so im Großen und Ganzen, wenn nicht auch nur ein Wettlauf des Wachstums? Dann Verneinen plötzlich alle dieses Alt werden und wollen wieder Jung sein, damals, als alles noch ein Tempo hatte, dass man halten wollte, um ja nicht als letzter ins Ziel zu gelangen.

Statt einfach mal zu sehen, wohin es geht. Statt einfach mal kurz inne zu halten und sich die Umgebung anzuschauen und sich zu fragen: was will ich eigentlich, genau jetzt? Will ich überhaupt rennen? Will ich das ganze Leben einfach nur rennen um niemals an ein Ziel zu kommen? Und dann kommen die Sprüche: ja klar, denn der Weg ist das Ziel. Der Weg ist niemals das Ziel, so erkenne ich jetzt im Müßiggang, das Ziel ist kein Weg und nichts, was man Ablaufen kann, weder metaphorisch noch literarisch. Es ist ein Endpunkt, den man erreicht, eines Tages. Es kann höchstens passieren, dass man auf dem Weg sein Ziel ändert, weil es die Zeit so verlangt, weil Schlammböden und umgefallene Bäume den Weg versperren und man sich nun etwas neues ausdenken muss. Vielleicht geht man aber auch der Nase nach und riecht frisch gebackenes Brot am Wegesrand und entdeckt darüber hinaus einen neuen Pfad. Aber um das zu erreichen, um sich so viel Freiheit zu lassen, muss man eben auch eine Geschwindigkeit einnehmen können, die das zulässt, und das machen viele nicht und ich sowieso nicht. Ich auf gar keinen Fall. Ich renne und renne und renne und jedes Jahr, wenn ich dann für einen Augenblick keine Puste mehr habe, mache ich die Augen dann auf und sehe mich im dickicht des Urwaldes wieder, schon lange von der gepflasterten Straße abgekommen.

Ein Stück Normalität hätte ich gerne wieder. BFF-Bullshit, ein Abend mit mir selbst, einmal Wäsche waschen und einkaufen gehen, kurz mal zufrieden sein und keinen Ausnahmezustand ersehnen, sondern im Moment der absoluten Langweile bleiben und dabei auch sehen, dass der Rest mindestens genauso langweilig und ziellos ist. Der Rest: also der Spaß und der Freizeitstress und die vielen Menschen und sowieso, alles, was wir machen. Zeitfüller, ziellose Zeitfüller. Wie die schlechten Songs auf den Alben von Künstlern, die man hart feiert.

Die Zeit der Hypes ist vorbei, bis sie es nicht mehr ist. Vor dem Endspurt ist der Sprint, vor dem Sprint der Dauerlauf, vor dem Dauerlauf der Startpunkt, vor dem Startpunkt das Ziel. Wenn wir alles rückwärts betrachten würden, es wäre ein Witz. Das Leben, es wäre ein Witz von unendlicher Schmach und Scham benetzt. Es ist alles gut so, wie es ist. Liebt mehr. Hört auf auch anzukotzen. Hört auf jeder Scheisse hinterherzurennen. Hört auf eure Seelen und Körper mit so viel Schwachsinn zu belegen, dass ihr nicht mehr wisst, wo vorne und hinten eures Selbst ist.

Bei mir steht alles zum Verkauf. Ich will das nicht mehr, und doch will ich es so sehr. Die Zeit für Entscheidungen ist noch nicht gekommen. Aber ich merke, ich spüre doch so klar: sie wird eines nahen Tages da sein, und darauf werde ich mich jetzt vorbereiten.

This article has 3 comments

  1. keichi

    das sind die vielen momenten , wo man sich bewusst wird und das in einenm gewissen moment merkt man das man selber bewusst wird , das man lebt nur des lebens willens, und alles wo man advertisment erkennt wer wo superstar, wer wo gold gewinnt, ist es der moment der nur mir und nur mir zaehlt, dea fest, die liebe , der stress, alles ist deins , und dann kommt die ernuechterung das der moment in dem du dich entscheidest so sagt jeder held und jedes idol sollst su leben und kosten wie das erste und letzte mal enstpingt der ekennnis den moment den du hier beschreibst mit der sicherheit entgegen zu treten das leben gelebt zu haben, das aller erste geschenk das man dir gab sinnvoll genossen hat und es somit ehrt

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