The Dark Knight Rises in Hip Hop and Product Placement

Es gibt eine neue Trend-Kollabo, die meiner belasteten Seele unglaublich viel Spaß macht. Es ist Lean x Borderline, oder Rap x Apocalypse of the Mind, oder The Weeknd x Rough Dudes. Sie ist immer hauptsächlich in schwarz/weißen Lookbooks abgedruckt und mit einem netten Vintage Filter belegt, der alles in einem noch bedrückenderem Nebel erscheinen lässt.

Face Vega hat viel Angst vor seinen Dämonen. Mich würde es nicht wundern, wenn er der Typ war, der vor ein paar Monaten in den USA einem anderen bei pumpenden Adern die Fresse abgekaut hat. Wie viele Rapper nutzt er seinen Hass und seinen Schmerz als wunderbare Entschuldigung für eine offensichtliche Drogenabhängigkeit. Vielleicht wurde ihm aber auch – brutal Adele-Style – das Herz gebrochen, und jetzt ersäuft er sich im Selbstmitleid. Was ist das für ein rapider Wechsel von harten Mobb Deep Gangsteratzen zu dämonisierten Klinik-Patienten? Christopher Nolan ist schuld; er machte seinen Batman zum brodelnden Selbstmörder. Der Held, entweder er besitzt viel Geld oder er ist Rapper, doch in beiden Fällen sind es seine inneren Schmerzen, die ihn antreiben. Bis er sich irgendwann die Arme aufschlitzt. Oder im Casino seine Seele verballert –  Progressive Jackpots werden im Online Casino von Royal Vegas halt gerne durchgezockt.

Die ganze Syzzurp-Lean-Snapback-Vintage-USA-Kacke ist aber trotzdem nur eine Reproduktion bereits bestehender kultureller Nischen. Man schaue sich etwa Beezy an, dessen Protagonist immerhin als erwachsenes, verstümmeltes Crack Baby mit Gott eine seelenlose, verzweifelte Unterhaltung führt. Dem Wahnsinn ganz nah. Natürlich ist er nicht Amerikaner, sondern Engländer. Was die Produktionen der Beats angeht wird sich von New York bis nach LA sowieso nur bedient. Als ob Burial nicht schon vor zehn Jahren die dunkelsten Sounds gemacht hätte. Und das auch noch für den Club. Aber das Katalog-Material, vom Abmischen bis zur Perfektion der veröffentlichten Videos, sieht einfach besser aus wenn man einen Zeitgeist beschreiben will.

Damals, als “Filthy Dark Dubstep” noch so etwas wie ein erschütterndes Konzept war. Und don’t get me wrong: es geht hier nicht um die Deepness der ausgesprochenen Wörter, zumindest nicht alleinig. Es ist ein Gesamtkonzept das mit Musik und Lyrik im Bündel funktioniert. Es kehrt die innersten aller normwiedersetzenden Wünsche nach außen und ist deshalb zugleich erotisch als auch abstoßend. Etwas, das wir nicht haben können / mit so einem brutalen Empfinden wollen / dass es weh tut. Pure Sex, the new dark fragrance.

Das geht natürlich über den Rap hinaus. Wörter können Frequenzen der Schmerzenslust stören. Deshalb sind die Instrumentals von Clams Casino viel hochwertiger, wenn kein A$AP Rocky über sie hinweg von den oberflächlichen First World Problems margielatragender Super Rich Kids erzählt. Trotzdem, ich gebe ja zu: am Ende besingen sie alle nur den Lean und das Livin’ La Vida Coka. Als hätten sie Geburtsschmerzen durchlebt. Aber: es ist so gesellschaftlich nah, in Strukturen der Apokalypse zu denken und zu fühlen. Alles geht unter, die Depression ist keine Ausnahmeerscheinung mehr. Wie die Zombie-Pest verstecken sich die letzten Verfechter der Leichtigkeit vor ihr. Doch vergeblich, vergebens. Sie werden überrollt von Finanzkrise, Burn Out, Lebensbeschleunigung, die Angst vor der Verarmung, Terrorismus, Handfurz. Das richtig harte Leben kurz vor dem mayanischen Abgrund ist das neue Schwarz. Ein Marketingkonzept: die Dunkelheit.

(“Woran erinnert dich dieser Sound?” “An den Uterus meiner Mutter, in den ich zurück kriechen möchte. Mit aller Gewalt.”)

Ich habe so viele Remixe und Playlisten voller “Puff Puff Pass” Tracks, also Sounds zum totalen Abschuss, versteht ihr? Die brutal sind in ihrer Verzweiflung. Die durchaus schockieren, wenn man sich vom Plastik der Produktionen einlullen lässt. Die Realness, der Downfall. Dark is the new Swag. American Psycho Industrial Rap. Fuck Consciousness, das hier sind blutende Penisse auf BodyModEntertainment. Und selbst die harmlose Variante der Fortpflanzung klingt eher wie eine Drohung. Die Beautiful Dark Twisted Fantasies eines Massen-Entliebten. Jemand, der es braucht, und nicht bekommt.

Ist aber auch der Chopped & Screwed & Shlomo Effekt. Zeitlupe, so lean wie Syzzurp. Gebrochene Beats und verzerrte Stimmen. Thematische Abgründe? Fehlanzeige! Aber in einer Welt, wo die Oberfläche mehr Wert ist als die Bedeutung – wo die Bedeutung im Prinzip schon längst nur noch ein Stempel ist, den man anhand der Objekt-Ästhetik vergibt, entwachsen jeglicher Verwurzelung, Kultur im Arsch – sind thematische Abgründe, Risiken, Grenzen einfach auch nicht im Konzept enthalten.

Haze in der Zwangsjacke. Sex mit Messern. Braune Flecken auf der Matratze. Weißes Rauschen im kaputten Fernseher, zu Avataren auf Facebook masturbieren. Lila Purp-Flecken auf den Zähnen. Die neue Pop-Musik. Catwoman ist zerfressen von seelischen Krankheiten, Batman fickt sie aus ihr heraus.

Qualen in der Musik sind nicht neu. Aber mit welcher immensen Wucht sie verkauft werden können; also, wie sehr der Schmerz plötzlich zum neuen It-Dings wird. Snapback-Pain, alter. Und ich unterschätze nicht die Macht der Folter dieses Lebens. Weiße Kids, Schwarze Kids aus dem Westen, aus dem Mittelstand, nicht reich nicht arm, nicht ghetto und eigentlich auch nichts anderes. Wenn man ein Kind der Globalisierung ist, bleibt einem nicht viel Identifikationsmöglichkeit übrig. Da ist es das größte Problem, sich entscheiden zu müssen. Das größte Problem: wenn man merkt, dass man nur ein Produkt der bereits bestehend, sich selbst reproduzierenden Werbewelt ist. Dass sogar das verspürte Leid und die Wunden, die so frisch noch bluten, eigentlich nur Billboards sind, auf denen man seine eigenen Ideale der Werbung projizieren kann.

Hit me: Aggression und Teufelsküche. Elend und Drangsal, holt mich ein und benetzt meine Lungenflügel mit Marihuana, meine Lippen und Sinne mit Dingen, die nicht echt sind. Damit bin ich real. Wenn ich Schmerzen empfinde, bin ich real. Wenn alles, alles unwichtige verschwindet, bleibt nur noch der Pain. Reduziert bin ich plötzlich ein sich windender, krümmender Versager. Das ist real, wenn alles andere nur noch unauthentische Scheisse ist. Gewalt, wir brauchen mehr Gewalt, um uns diese Ideen aus der Fresse zu prügeln. Sie bringen uns um. Dämonen. Blunt After Blunt After Blunt After Blunt After Blunt.

Die Not, das Leid. Bad Religion. Swimming Pools (Drank). Das sind aber keine Beispiele für bewusstseinserweiternde Rap-Musik. Dafür müsste man tatsächlich den Sound mal runter drehen und den Kopf mal selber arbeiten lassen. Aber wir begeben uns in vorgefertigte Backformen. Emo in der Mitte der Gesellschaft angekommen, endlich. Und Rap sowieso. Alles nur noch ein Bild von Bildern, kulturlos und übermorgen verschwunden, nachdem es in der Werbung auf neue Podeste und ästhetische Höhepunkte gebracht wurde.

Übrigens, ich beschwere mich nicht darüber. Shit motherfucker. Ich kenn es doch gar nicht anders. Ich bin das Klischee, das sich dagegen wehrt, ein Klischee zu sein. Fuck you, pay me.

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