Ich hab ja die Malediven früher immer mit Moldawien verwechselt. Ist aber egal jetzt. Welche größenwahnsinnigen Vorstellungen auch immer man von der königlichen Natur auf den Malediven haben mag – sie liegen mit Sicherheit alle immer noch sehr weit entfernt von der Realität. In meinem kurzen Leben bin ich an vielen Orten gewesen, die man durchaus mit dem Adjektiven “traumhaft” oder “paradiesisch” behaften kann, aber noch nie war ich so verbannt in eine Trance der Schönheit wie auf diesen wirklichkeitsfremden Atollen. Die Sterne, das Wasser, die Luft, der Sand, die Palmen, die Früchte – ach, whatever. Ich sag euch was: das war alles professionell gephotoshopped. Selbst bei stürmischem Wetter in der Regenzeit.


Das nenne ich ein gutes Corporate Design.

Im Prinzip kann ich mein Fazit gleich hier anzünden: es lohnt sich, auf die Malediven zu fahren. Und alle Erwartungen in Hinsicht eines entspannten Urlaubs können erfüllt werden, insofern man sich vorher über das Angebot und seinen designierten Aufenthaltsort informiert. Key Learning Nummer 1: die vielen Resorts haben auch viele verschiedene Konzepte. So sind die beiden Luxus-Horte, in denen unser kleines Grüppchen vor dem gleißend weißen Licht Zuflucht fand, vom Kern auf grundverschieden.
Das Sushi-Restaurant auf Velassaru. Fantastischer Fisch.
Velassaru etwa ist das Edelprogramm schlechthin. Der Dom Perignon unter den Resorts. Wisst ihr noch, wie man sich früher als Kind sein perfektes Zimmer/Schloss/den Himmel vorgestellt hat? Velassaru ist das erwachsene Ergebnis dieser perversen Fantasien. Hier findet man alles, was das Herz begehrt; vor allem Intimität, Ruhe und Sexyness. Ganz groß auf der Flitterwochen-Checkpointliste. Romantische Sunset-Cruises? Klar. Candle-Light Dinner am Infinity Pool? Sicher doch. Spa-Treatment zu zweit? Überhaupt kein Problem.

SUNSET CRUISE YOInfinity Pool mit direktem Meerzugang. Die Bomben-Villa von Velassaru für Partypeople.

Aber ey, auch als Han Solo wird man hier nicht unglücklich. Unsere Gang hat immerhin einiges an Programm mitgemacht. Schnorcheln, Babyhaie fotografieren (BABYHAIE, MAN!), im badewannenwarmen, türkis-blauen Wasser schweben, von der Sonne geküsst werden, sich von der leisen Brise kitzeln lassen, wie hypnotisiert den Krebsen beim Im-Sand-Verkriechen zugucken, Delphinherden applaudieren, köstliches Sushi verspeisen, und natürlich: Scuba Diving. Bei stürmischen Wetter und ohne Sonnenschein zwar (so viel zum Thema “auf den Malediven ist immer gutes Wetter”, ihr Klugscheisser), aber wie war das? The Worst Day Diving Is Better Than The Best Day Working.

Tauchen hat auf Velassaru einen ganz besonderen Flair. Mit der hauseigenen Marinebiologin Evelyn durfte ich in 10 Meter Tiefe an das am Atoll angrenzende Riff hinab (lasst uns nicht über meine klägliche Auftriebs-Kontrolle reden, okay) und eine Schildkröten-Koralle anpflanzen. Das können alle Besucher – eine Art Pflanzenpatenschaft übernehmen. Mit diesem Projekt will das Resort die Unterwasser-Flora pflegen. Das dürfte auch bitter nötig sein. Taucher wissen, dass nicht immer alles sauber zugeht, gerade dann wenn man viele Touristen beeindrucken möchte. Da wird einiges unachtsam zerstört. Insofern ist es schön, dass sich Velassaru dafür engagiert und Profis vor Ort hat, denen das Wohl im Wasser am Herzen liegt – und zumindest die tauchenden Besucher darüber aufklärt, was es bedeutet, diesem Sport beizuwohnen (mal abgesehen vom Kitsch-Faktor: welches Paar möchte bitte NICHT in den Flitterwochen zusammen auf den Meeresgrund hinab um dort eine Schildkrötenkoralle in den Boden zu stecken?! Kann mal bitte jemand eine Liebeskomödie mit Matthew McConaughey und Jennifer Aniston darüber produzieren?).



Nachhaltigkeit ist generell ein interessantes Thema auf den Malediven, nicht nur was die Unterwasserwelt angeht. Es gibt Menschen, die wollen nicht ihre drei Euro dafür ausgeben daran erinnert zu werden, dass mit diesem Urlaub noch ein anderer Preis verbunden ist. Und es gibt Menschen, die wollen wissen, wie sie so schonend wie möglich ihre Herzenswünsche erfüllen können. Und dann gibt es mich: ich mag es nicht, in einer Illusion zu leben. In Thailand hat mich das damals in eine ungekannte Depression gestürzt – und das sollte Urlaub sein, man! – denn was da hinsichtlich der Umwelt falsch gemacht wurde (die man hierzulande ja so groß feiert) wird man heute kaum noch retten können. Auf den Malediven war das glücklicherweise nicht so, denn die Resorts nehmen sich durchaus teilweise den Verantwortungen an, die der Tourismus mit sich bringt.

Kurumba beispielsweise, das zweite Resort, auf dem wir uns aufhalten durften – hat eine aufmerksame Policy, die in die richtige Richtung geht und vielleicht auch zukünftig als gutes Beispiel voranschreitet. So werden die Besucher etwa dazu angehalten, ihren schwer abzuschaffenden Müll wieder mitzunehmen – ein großes kleines Ausrufezeichen, eines, dass indirekt sagt: “hier ist es nicht so wie bei dir zu Hause, und wenn du wieder herkommen möchtest, dann benimm dich unseren Regeln entsprechend”. Dieser Bewusstseinsruf ist eigentlich das, was den Besuchern an vielen anderen Orten fehlt.

Die “self-sustaining” Atolle besitzen dazu eigene Recycling-Anlagen – eine Sensation bei den doch übersichtlichen Inselgrößen (also eher: klein). Das Resort weigert sich zudem, den Müll auf Thilafushi abzulagern. Anders ausgedrückt: Kurumba kümmert sich. Das mag nicht bedeuten, dass die ganze Welt gerettet wurde, aber ich denke darum sollte ich mich dann sowieso persönlich kümmern.

Diese Umweltsache, unter anderem, erklärt natürlich auch, wieso so ein Urlaub eben nicht billig sein darf. Wieso es manchmal absolut Sinn macht, mehr zu bezahlen – wieso deshalb Billigfliegen und Abfertigungsübernachtungen zweckmäßig und uncool sind. Das mag sich elitär anhören, aber ich hab das System ja nicht erfunden – beschwert euch beim Kapitalismus. Ich bin jedenfalls nicht bereit, für Peanuts in ein schäbiges Resort abzusteigen, das äußerlich schön und innerlich faulig ist. Wenn, dann von allen Seiten richtig. Umso dankbarer bin ich deshalb auch für die Erfahrungen, die wir auf Kurumba gemacht haben.

Kurumba, by the way, hat einen ganz anderen Style als Velassaru. Viel grüner und vitaler fühlt es sich an – nicht das exquisite Rindercarpaccio, sondern das unbezahlbare Soulfood aus Mutti’s Küche. Eher bequem ist es dort in der Atmosphäre, heimatlich, als könne man sich hier jahrelang aufhalten und richtig viele Freunde finden. Die Aktivitätenliste ist endlos: dieser Ort lädt nicht nur zum abschimmeln ein, sondern auch zum entdecken und Action spielen. Ich hatte ja eine sardinenbüchsenartige Collage von faltigen Rentnern am Strand erwartet, stattdessen saß ich auf einem Jetski, sabberte mir aus dem Mundwinkel vor Freude, hatte flatternde Backen im Wind und hing schon wieder mit einer Crew Delphinen im indischen Ozean ab. KINDER, ICH SAG EUCH WAS: EINES TAGES WERDE ICH EINE JETSKIGANG HABEN UND WIR WERDEN DIE WELT REGIEREN UND DABEI EXTREM GUT AUSSEHEN.

Jetski-Safari – das hört sich kein bisschen besser an als “tiefergelegter Golf mit blau getönten Scheiben und überzogenem Motorengeräusch auf dem McDonalds Parkplatz tunen”, ist es auch nicht. Aber es macht, so strafe mich Anna Wintour für diesen latenten Stilfauxpas, mehr Spaß als kleine dicke Kinder in den Pool zu schubsen. Die Stimmung steht auf Pret-A-Party.

Muskelkater inklusive

Ich möchte, jetzt, wo alles vorbei ist, wieder zurück. Nicht nur wegen des Wetters, das kriegt man auch an anderen Orten. Ich habe vielmehr das Gefühl, es gibt dort noch einiges zu entdecken. Außerdem: die Einheimischen brauchen definitiv mehr moxy gegenüber den Touristen. Die Resorts trauen sich nicht mal, maledivisches Essen anzubieten – vor Angst, es wäre zu simpel (Thunfisch, in Wasser gekocht, mit Reis – das Rumpsteak unter den 4 Minuten Terrinen). Dabei haben wir nach unserer Special Order einstimmig entschieden, dass die Local Specialities kulinarische Finesse bedeuten: aus wenig so viel machen, dass man einen Geschmacksorgasmus nach dem anderen erlebt. Und auch Malé, die Hauptstadt-Insel, birgt einige unentdeckte Geheimnisse, doch vor allem: Farben. Denn vollständigen Malé-Beitrag findet ihr bald auf FindingBerlin.com. Beim nächsten Mal will ich auf die Picknick-Insel, wo die Einheimischen zum Urlaub machen rüber schippern.

Key-Learning Nummer 2: Die Malediven sind mehr als nur der Stereotyp-Pauschalurlaub, wenn man das denn will. Man kann eine ordentliche Party der Euphorie am Strand veranstalten, während man mit Babyrochen, Babyhaien (BABYHAIE!!), Schildkröten mit Swag und anderem witzigen Getier Rommé Cup spielt und an einem ordentlichen Cocktail nippt. Man kann aber auch mit Highspeed durch das offene Meer cruisen, auf eine einsame Sandbank stoßen und sich dort fragen, was sich Gott eigentlich dabei gedacht hat, uns im Mistwetterdeutschland zur Welt kommen zu lassen.





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