Der Geruch von frischgebackenen Muffins in meiner Nase. Sonne, die auf meine müden Glieder scheint, Gras kitzelnd im Nacken. Konfetti in der Luft; Konfetti auf dem Boden; es glitzert. Ich schwimme in einem bunten Meer, jeder einzelne Fetzen Papier ein Puzzlestück der Wärme die durch mich fließt.

Käse, der von der Pizza auf meine Hose heruntertropft. Die Konsi stimmt halt. Blaulichter vor dem Fenster. In meinem Ohr bekannte Klänge, der Hals kratzt, der Drink leer, die Asche an den Lippen. Der Geruch von Schweiß und Bier und Zigaretten in den Haaren und Staub unter den Fingernägeln. Ein knarzendes Bett, kichern, Achterbahn im Treppenhaus fahren und sich für einen Topf bedanken.

Zuckerguss überall und T-Shirts für einen Euro und Halloumi (viel zu trocken). Geruch von Strand und Meer schon in der Nase. Goldene Schlüssel und abgeschraubte Türgriffe. Eine wunderschöne, autistische Tasche, die viel zu teuer und doch perfekt ist. Flaschen die zerbersten, aber es ist mir egal; ich schwimme in einem Meer voller Liebe und Glückseligkeit und lache und lehne mich zurück und nehme einen Zug der mich in die Unendlichkeit der vielen Realitäten eines einzigen Lebens katapultiert.

Ich bin ein Tourist in diesem Raum der von Glück und Zufriedenheit gedehnt ist; eine Reise folgt der anderen, mit Plänen, die in Hinterhöfen geschmiedet werden und Küssen und Umarmungen und Grenzenlosigkeiten. Songs, die uns immer wieder an diesen Ort zurückbringen werden- jeden 5. September vielleicht – eine einzige Stadt; wir leben nicht in ihr, wir erleben sie. Wir bringen sie zum Leben. Die Welt und jedes Gesicht in ihr befindet sich in unserer Seifenblase und wir müssten unsere Zimmer nicht einmal verlassen und hätten trotzdem alles gesehen und erlebt. Es ist absurd, beängstigend und befreiend, so lächerlich, so unbekümmert; wie Kinder, die sich gegenseitig Geschichten aus ihren Reisememoiren vorlesen, Tagebücher voller Entdeckungen und Erfahrungen die wir teilen, jeder Tag ein Ausflug, egal ob wir im Flugzeug, im Stadtbus oder auf unseren Fahrrädern sitzen. Jede Wand bemalt mit unseren Namen und vielen kleinen Herzchen und Ausrufezeichen, aber eigentlich ist es völlig egal, ob das jemals jemand sieht; wir waren hier. Wir werden uns für immer daran erinnern.

Und plötzlich ist alles so einfach, wenn es mich mitten in der Nacht so erschlägt, und ich weiß, ich weiß auf einmal: bei euch bin ich nicht nur ein Tourist; ihr seid nicht nur eine Station. Ihr seid mein Heimathafen. Ich möchte zurückspulen und dem Typen im Fernsehen erklären dass er aufpassen muss, denn das ist Glück. Und das kann ganz schnell an einem vorbeirasen. Ich will euch alle wecken und euch erzählen was ich empfinde, aber dann lege ich mich beruhigt zurück. Ihr wisst das doch schon.

Ich war hier.

This article has 11 comments

  1. Matthias

    Ach Sara, du weißt ja Bescheid: Umso schneller du deine Reisekasse verprasst, desto eher legst du wieder im Heimathafen an. Und wenn dann Obermaat Sara wieder an Deck ist, schippern wir hart am Wind auf unserer MS Atzenpower durch die Berliner Hoheitsgewässer!

  2. S

    Ich hab das jetzt eh einfach nur so stehen lassen weil ich das mega high geschrieben habe und mich gerade ein bisschen für so viel Kitsch und Schmusescheisse schämen will. ;)

    IHR KÖNNT MICH MA IHR ARSCHBRATZEN HAHAHAHAHAAA

  3. sujalajus

    Es ist immer ein kleines Highlight etwas von dir zu lesen. Du hast einen bemerkenswerten Output. Da ich dich persönlich nicht kenne bin ich mir nicht sicher wie du live wirkst. Ich bin aber ziemlich gespannt darauf mir deine Stimme anzuhören wenn ich das nächste mal im Internetcafe bin. Ich wünsche dir jedenfalls alles Gute.

  4. mac

    Atmo-Fotos vom Feinsten. Wäre gerne dabei gewesen bei der Konfettiparty — Cooler Song von El Ten Eleven auch noch.

    your rock!

  5. Christoph

    “eine einzige Stadt; wir leben nicht in ihr, wir erleben sie. Wir bringen sie zum Leben.”

    Danke. Berlin. Und das sind die Worte, die mir fehlten.

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