"Girl gone wide."


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Ich bin nach Berlin gezogen für Freiheit und Kultur und Kunst und Inspiration und was ich bekam war ein T-Shirt auf dem draufstand “viel Spaß beim Arbeiten!”, dang, Hauptgewinn in der Lotterie für’s langweiligste Leben dass man so in der Blüte seiner Jugend haben kann.

by Chris.Jeriko

Der harte Winter hat allerdings gezeigt, wie wahnsinnig es mich  in den Füßen juckt, und auch, wie sehr ich Berlin (bei Sonnenschein) vermisse. Zurecht hatte ich die Befürchtung, dass der Sommer im Jahre 2010 abgeschafft wurde und deshalb fängt mein Abenteuer durch die Stadt und seine verwinkelten Ecken jetzt schon an, bei Sturm und Eis und Regen und Schnee.

… mein Ex-Mitbewohner, der Australier, er ist Schuld daran, dass es mich nach Touristen-Aktivitäten juckt. Denn wenn man mal davon absieht, dass ich schon eine geraume Weile hier wohne (1,5 Jahre, ich bin quasi hier geboren!), dann kann man auch ohne zögern behaupten dass ich selber noch Tourist bin. Und er hat mir während seiner Anwesenheit ungefähr alles über Berlin erzählt, was ich heute weiß. Das ist schon ziemlich beklemmend, wenn nicht sogar beängstigend. Alles wusste der! Der hätte komplett den ganzen Berlin-Abschnitt bei Wikipedia ersetzen können! Wie gut, dass ich immerhin den Netto auf sieben Kilometer Autobahn noch riechen kann… immerhin etwas, dass ich hier gelernt habe…

Egal. Ich habe Jeriko eingepackt ((Der Mann macht fantastische Fotos. Aber wisst ihr ja schon. Werd ich eigentlich jetzt abgemahnt, weil ich ein Copyright-Bild benutzt habe, auch wenn ich selbst drauf bin?)) und zusammen machten wir einen wunderbaren Regenspaziergang auf einer Alternative Berlin Tour. Ja, ich weiß, trotz aller Romantisierung ist das ja irgendwie lächerlich, wenn man als Nicht-Touri eine Touri-Tour mitmacht, und dann auch noch auf Englisch, und dann lässt man sich auch noch von einer Amerikanerin führen, pah! Da müssen sich andere gleich abwenden vor Scham. Überraschenderweise war es für mich aber trotzdem neu und belehrend und interessant, gerade weil ich meistens die Hot Spots und Kunstwerke kannte, nie aber die Geschichte hinter ihnen und ihren Künstlern. Durchaus also eine freudige Alternative zum Reiseführer und ein wunderbarer Auftakt zu meiner Reise um den Globus.

by Chris.Jeriko

Wer also mal drei bis vier Stunden Zeit, Englischkenntnisse und keinen Anspruch auf seine eigene Coolness hat, der sollte sich das Touristending von Alternative Berlin auf jeden Fall antun. Das nächste Mal geht’s für mich auf den Pub Crawl, wer weiß, in welche Puffkaschemmen ich da entführt werde- schlimmer als der Magendoktor kann es ja wohl nicht sein ((Tatsache. Wir waren im Magendoktor. Da lag ein toter Typ auf dem Tresen, komplett zersoffen. Das, was aus den Boxen kam, hörte sich an wie aus der Schlümpfe-Trance-CD, die damals noch bei RTL II in der Werbung ständig angepriesen wurde, und das wurde dann wiederrum unterbrochen von einer Schlagerkaraoke-Einlage. I shit you not. Und das war alles noch viel schlimmer, als ich es in Worte jemals beschreiben könnte. Man konnte den Gestank schneiden. Es gab prinzipiell nur Korn (dafür aber für 50 Cent der Shot). Am Pooltisch stand eine Reihe Tribal-Skinheads, die böse guckten. SCHLAGERKARAOKE, LEUTE!))

by yeahs in (Pop)Kultur Berlin


Comments

7 Comments

  1. March 16, 2010

    Werd ich eigentlich jetzt abgemahnt [...]

    Selbstverständlich! Inklusive Kostennote, begleichbar in Bier, Unterkunft, Gesellschaft oder Naturalien.

    (Im Ernst, ich mach nur bei Personen und nur in deren Interesse auf die Bilder ein Copyright, damit die eben nicht einfach so von jedem genutzt werden. Es hat zwar mehr Placebo-Charakter, weils ja doch niemanden interessiert, aber zumindest mein Gewissen ist ein wenig beruhigt.)

  2. S #
    March 16, 2010

    @Jeriko: Hahaha, dann wurde ich aber nach den Maßstäben wohl schon sehr oft von dir abgemahnt! :D

    Und ja, das hab ich mir fast schon gedacht, wobei ich ja traurig bin dass nicht jeder dieses großartige Foto für Fetisch-Porn verwenden kann ohne Strafe zu kassieren, mehehehehe. :D

  3. tobsen23 #
    March 16, 2010

    aus dem taz-artikel: “Ahmed arbeitet in der Küche eines Restaurants in Charlottenburg. Er rät uns davon ab, dort essen zu gehen. Wenn’s sich allerdings nicht vermeiden lasse, sagt er, sollten wir Pizza bestellen. Auf keinen Fall Auflauf.”

    wenn ich mich nich komplett täusche, arbeitet der bei ali baba in der bleibtreustraße. regel nr. 1: “nichts essen, was von hinten kommt.” (pizza wird nicht hinten in der küche gemacht, sondern direkt vorne im laden, wo man selber n auge drauf hat.)

  4. March 18, 2010

    Gerade erst bin ich wieder zuhause angekommen, hab ich schon wieder Fernweh. Ganz toll gemacht.

  5. March 19, 2010

    Pub Crawling lohnt sich in jeder Stadt, aber in Berlin stell ich mir das schon ziemlich hart vor. Mein bisheriges Highlight war die “Bierbörse” in Gießen.

    Alternative Berlin Tour klingt prinzipiell spannend, aber meist hab ich viel zu viel vor, wenn ich denn mal in Berlin bin.

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