wahlheimat

Veröffentlicht October 2, 2010

Ich hätte jetzt gerne dolle Arschkirmes, anstatt hier wie ein grenzdebiler Kern-Asi alleine am PC zu chillen, eine Nacht, bevor ich fliege, eine Nacht, bevor sich Deutschland zum lächerlichsten Mal wieder einigt um doch wieder woanders Mauern zu erlauben, eine Nacht, bevor ich mich von allen möglichen Menschen für sehr, sehr lange Zeit endgültig verabschieden muss. Ich skommer hier rum wie Hartz 4 in Meck-Pomm, und ich habe jegliche Motivation verloren etwas anderes zu machen außer mich mit Mauwi Wauwi vollzudröhnen. Ich konsultiere in solchen Fällen ja gerne meine Vagina für eine professionelle Hormon-Meinung, aber alles, was die gerade kann, ist sich über einen Hefescheidepilz aufzuregen (nicht ihr eigener).

Die letzten Wochen waren verdammt anstrengend. Ich habe so viele Leute um meinen Abgang getröstet und mich selbst wieder in tausend Teile gesprengt, da sind die aufmunternden Worte und Unterstützungsrufe aus der Ferne (vor allem die, die vor 9 Monaten noch aktuell waren) nicht mehr ganz so eindringlich und intensiv. Ich bin wie geleert, und alle Vorfreude ist in den Wind geschossen worden. An Party, Dröhnung, Urlaub gar nicht zu denken. Meine Mutter bietet mir Geld an, um hier zu bleiben, mein Vater macht mir Vorwürfe, weil ich seine Beerdigung angeblich verpassen könnte. My Gucci Boyfriend muss den Winter alleine überleben, meine Crew hat keinen Joker mehr, meine Heimat keine Berlin-Geschichten. Ich bin so scharf auf Backpacking wie fette Kinder auf Sellerie. Sellerie ist scheisse.

Ich weiß, in dem Augenblick, wo ich das Flugzeug betrete und diejenige bin, die sich den neuen Eindrücken ergeben kann, wird alles anders. Ich weiß es – a), weil ich Erfahrungsberichte in diversen Foren gelesen habe, und b), weil ich mich selbst ganz gut einschätzen kann. Für euch wird das etwas härter, und das tut mir leid. Ihr werdet das nicht vergessen, meine Mom wird das nicht vergessen, dass ich auf unbestimmte Zeit woanders bin. I’m sorry. Aber ich mache mir jetzt nichts mehr vor: dieses Leben ist meins. Das ist mein Ding. Und während ich noch sehr lange versuchte, Großstadt, Vorort, Lokalpatriotismus, Zugehörigkeit, Herkunft, Migrantenhintergrund, Wahlheimat in meinem Leben einordnen zu können, breitete sich genau eine Erkenntnis aus: ich gehöre nicht in physische Grenzen gesteckt. Ich gehöre überall hin. Wenn ich mich auf dem Weg verliere, habe ich euch, um in kleinen Schritten wieder zurückzukehren. Aber ich flüchte nicht, und ich bin auch nicht auf der Suche. Das ist mein Normalzustand. Ich will, das ihr alle ein Teil davon seid, und das werdet ihr auch. Home is where my laptop is. Wir sehen uns.

 

3 comments in “wahlheimat”

  1. ebbe says:


    Ich glaube, ich spreche fur alle, wenn ich sage, dass wir dich kleinen kernassi mit migrantenbackground so tief in unser skommerherz geschlossen haben, dass du fur alle ewigkeit rumstromern koenntes und wir dich egal wann, mit den fettsten drueckern und kuessen wieder in lovelyB empfangen werden. ich kuemmer mich derweil um your sexy guccibag und den suessen autistenkater und versuche selbst mal ein bisschen erwachsener zu werden…ach scheisse, neeee. ich brauch dich ja dafuer.
    komm einfach wieder nach Hause, wenn dein Herz ganz laut EBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBEEEEEEEE schreit. :) (oder veilleicht auch maggi, nico, nadine oder martin, das raeume ich gerade noch ein)

    (Achja, und wenns uns allen doch zu lange dauert, dann kennste mein beherztes engagement. ich bin bereit mich mit deinen eltern und allen freunden zu verbuenden und dich hoechst persoenlich am blonden IRO wieder nach D zu schleifen…also nutz deine zeit intensiv)

    halt die ohren steif, ich bin in gedanken bei dir! :)
    wir sehen uns in INDIEN.

    die allerallerallergroesste LIEBE und so.
    Ebbe.

  2. Jan says:


    right on

    hade /bo

  3. Thilo says:


    “Home is where your laptop is” ich glaube das werde ich auf meinen Mac als Sticker machen. Dir viel Erfolg , fress jede Sekunde für dich, denn das ist DEIN Ding. Wir, die anderen sind egal, das ist dein Trip genieß ihn.

    Bis Bald, der Doof aus Köln der hier nicht weg kann, da er nicht die Eier von Sara hat.

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