"Girl gone wide."


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In unregelmäßigen Abständen veröffentlichen Protagonisten eines anderen Lebens (anderer Welten, Dimensonen, Zeiten und Gesellschaftsformen) ihre Gedanken, Erlebnisse und Traumata hier. Manche sind Alter Egos ihrer selbst, einige gibt es wirklich, doch die meisten haben nie existiert. In einem Zustand des Nicht-Da-Seins finden sie ihren Frieden darin, in die Außenwelt zu schreien, was sie nicht mehr in sich tragen können. Um ihre Anonymität zu wahren, werden nur ihre Pseudonyme preisgegeben. Willkommen in der Restrealität

Es sind diese absurden Momente, Tiefpunkte, die extremen Momente in denen man plötzlich begreift. Das Gefühl absoluter Klarheit. X und ich. Die Augenblicke sind endlos. Der Glanz ist verschwunden. Und du, X du siehst gelangweilt aus.

Y: Was ist das X, was verdammt nochmal, ist das?

Du siehst mich an. Aber du hörst mich nicht. Ich fange an X zu schütteln.

Y: Wir X, was bedeutet das, wer sind wir, was?

X: Hör auf damit. Hör auf mit deinen Schubladen, deinen Definitionen, deinen beschissenen Erwartungen. Wir sind Nichts, Y. Wir sind unendlich im nichts. Bedingungslos. Bedeutungslos. Freiheit, Y.

Y: Bedingungslos. Bedeutungslos. Ist das Liebe, X? Du wirst mich fallen lassen in deiner Bedeutungslosigkeit. Freier Fall mitten in das verfickte Nichts. Du reißt die Teile aus mir, die dir gerade gefallen. Deine beschissene grausame Willkür. X, du bist ein Heuchler. Weißt du das, du der Weltenretter. Pamphlete gegen die Ungerechtigkeit, die Konsumlust. Du bist nie satt. Du bist der gierigste Konsument. Rücksichtslos. Du hast nie gelernt zu geben, X. Du nimmst. Du sagst mir, du bist Egoist. Das bist du. Siehst du, was du angerichtet hast, X? Ich bin zerbrochen in die Stücke, die du aus mir gerissen hast. Ich weiß nicht mehr, wer ich bin X. Es sind so viele Ich. So viele Splitter. Erzähl mir nichts von Definitionslosigkeit. Du definierst deine Welt. Du hast mich verschwendet, X. Es geht um dich, X nur um dich. Verstehst du das? Du belügst dich selbst. Nur hör endlich auf es Liebe zu nennen.

X: Hör auf. Ich liebe dich doch. Diesen Moment. Du willst alles, aber ich kann dir nicht alles geben. Verstehst du das, Y? Es gibt keine Ewigkeit, es gibt keine Erfüllung. Keine Vollkommenheit. Nichts ist perfekt, Y.

Y: Du weißt nicht wovon du redest, X. Wenn ich ein Messer hätte, X. Ich würde es dir in dein Fleisch stoßen, damit du verstehst was Schmerz ist, X. Damit du fühlst was Hass ist. Und damit du begreifst was Liebe bedeutet. Deine, unsere “offene Beziehung”, X? Wir haben keine Beziehung X, wir haben nichts. Nichts außer die Bedeutungslosigkeit. Die Leichtigkeit. Und ich hab mich darin verloren, X. In dir verloren. Du hast die Grenzen verwischt, als du von mir genommen hast. Du frisst und frisst, deine endlose Gier, du bist nicht bedingungslos, X. Du bist, der der alles will. Alles und du hast es genommen, X. Du hast mich ausgesaugt, mich zum Produkt gemacht. Monster! Monster! Und während du deine Zähne in mein Fleisch geschlagen hast, hast du mich angesehen und hast es Liebe genannt.

Y wird gehen. Irgendwann. Noch braucht sie X. Sie wird ihre Selbstaufgabe als Hingabe, Leidenschaft, Kunst sehen. Aber es wird sie zerstören, und sie weiß es. Stück für Stück wird sie sich verlieren. Und irgendwann wird X satt sein, und von Y werden nur noch Teile beliben. Y wird sich betrachten -auseinandergerissen, verloren- sie wird langsam lernen, wie es ist sich zu lieben. Sie wird lernen, wie es sich anfühlt, frei zu sein. Sie wird den freien Fall als Freiheit begreifen. Sie wird sich hassen, ihre Schwäche, ihre Sehnsucht, sie wird sie hassen die Abhängigkeit. Bis sie begreifen wird. Sie will fallen, und wenn sie am Boden angekommen ist wird sie nach oben sehen. Sie ist schon so oft hier gewesen. Sie kennt den Abgrund. Und sie kennt das Schimmern, das in der Ferne zu sehen ist. Irgendwo. Y wird es finden. Irgendwann.

Sie nennt es Ambivalenz, sie sagt sie kann ihr Leben nur leben, wenn sie noch weiß wie es sich anfühlt zu fallen und zu lieben. Wieder und wieder. Kunst nennt sie es. Liebe vielleicht.

Autor: Anonym

by Anonym in Restrealität


Comments

3 Comments

  1. March 5, 2010

    über einander steigen, an einander vorbei l(i)eben.
    das is unsere generation.

  2. March 7, 2010

    Imposante Worte irgendwie. Die einen umhauen, wenn man das Gefühl kennt. Gefällt mir gut!

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  1. Nur ein Satz | meierrr

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